Die Grünen sind an allem schuld?

Die Grünen sind doch an allem schuld! An der wirtschaftlichen Misere, am Krieg in der Ukraine, an der Vogelgrippe, dem Wetter, und dieser Ausschlag den ich da habe, alles Schuld der Grünen. Warum?  Weil…äh weil, ja also weil… weil sie die Grünen sind!

Warnung: Wenn Sie dem beschrieben Argumentationsmuster vollumfänglich folgen oder es gar ihr eigenes ist, lesen Sie bitte nicht weiter, für etwaige Erschütterungen Ihres Weltbildes durch Fakten mit Auswirkungen auf Ihre mentale Gesundheit und Ihr Wahlverhalten übernehmen wir ausdrücklich keine Verantwortung!

Die Rolle der Grünen beim Scheitern des Fernwärmeprojekts

Erinnern wir uns: Der Kraftwerksbetreiber Uniper plante die Stilllegung des Kraftwerkblocks, aus dem die Fernwärme ausgekoppelt wurde. Im Rahmen der Energiewende erhielt er dafür Millionen Zahlungen vom Bund, da dieser Block in die sogenannte Netzreserve überführt wurde. Die Gemeindewerke reagierten darauf mit der Planung einer neuen Fernwärmeerzeugung aus Flusswasser mittels einer Wärmepumpe und Strom aus erneuerbarer Energie. Das Projekt wurde mit 30 Millionen veranschlagt, von denen der Bund 9 Millionen übernehmen würde. So weit, so gut. 

Zum Glück hatte die Gemeinde auch ein passendes Grundstück, auf dem diese neue Anlage hätte errichtet werden können. Doch da kam die Firma TenneT ins Spiel, die dieses Gelände für ihr Umspannwerk haben wollte. Entgegen den wiederholten Einwänden der Grünen wurde beschlossen, das eigene Gelände an TenneT zu verkaufen und den benötigten Baugrund von Uniper zu pachten. 

Nun legte aber Uniper bei den Verhandlungen zu diesem Pachtvertrag nur eines nicht an den Tag: Eile. Da wurde mit allergrößter Sorgfalt geprüft, bedacht, erwogen und vertagt. So musste die Gemeinde Anfang Juni 2022 bei Uniper anmahnen, dass der abzuschließende Pachtvertrag eigentlich schon bis Ende Juni 2022 hätte unterschrieben sein sollen. Und wann erfolgte die Unterschrift dann endgültig? 15 Monate später, Ende September 2023!

Der zwischenzeitlich von grüner Seite ins Spiel gebrachte Vorschlag, als Plan B dann eben das gemeindeeigene Gelände des Klärwerks für den Bau zu nutzen, wurde zur Kenntnis genommen und dann in den Papierkorb befördert. 

Leider nutzte der Vertragspartner, der die Verzögerung maßgeblich verursacht hatte, nämlich Uniper, die entstandene Notsituation im Herbst 2024 schamlos aus und forderte Wucherpreise für die Wärme. Denn statt sie, wie bisher auch, aus dem gasbetriebenen Hilfskessel des in die Reserve überführten Kraftwerkblocks zu gewinnen, wurden einfach neue Kessel gemietet und den Verbrauchern in Rechnung gestellt!

Die Situation eskalierte, die Fernwärmekunden liefen Amok, wer konnte, bestellte sich eine Wärmepumpe. Unser Hinweis, dass Unipers Begründung für die Preiserhöhung nicht rechtens sei, wurde geflissentlich ignoriert, erst nachdem wir das Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt eingeschaltet hatten, änderte sich die offizielle Sprachregelung.  

Doch im Ergebnis wurde Uniper nicht gedrängt, zur Fernwärmeerzeugung aus dem Hilfskessel zurückzukehren. Nein, nun suchte man sein Heil in der Zusammenarbeit mit Hanau, was die Preise nur sehr unwesentlich nach unten drückte. 

Da die Banken bei einer solchen Entwicklung dem Projekt keine große Zukunft gaben, drehten sie den Geldhahn zu und das Projekt war gescheitert. 

Dabei betrachten wir noch nicht einmal die Rolle der EAM, die als Projektpartner nach Ende der Ausschreibung einseitig die geforderte Verzinsung für das eingebrachte Kapital von 3% auf 6% verdoppelte und dies von der Gemeindevertretung gegen die Stimmen der Grünen genehmigt bekam. 

Worin besteht also die Schuld der Grünen? Dass sie bei den erwähnten Abstimmungen keine Mehrheit hatte, und dass nicht sie, sondern die CDU den Verhandlungsführer, sprich den Bürgermeister, bei den Verhandlungen mit Uniper stellte?

Wer so argumentiert, muss mit dem Finger auf sich selbst zeigen, denn er hat durch seine Wahlentscheidungen dafür gesorgt, dass die handelnden Akteure in der Gemeindevertretung und im Rathaus Politik nicht im Sinne der Bürger und der Fernwärmekunden machten. 

Es gibt viele gute Gründe, die Grünen zu wählen. Es mag auch Gründe geben, sie nicht zu wählen. Aber das Scheitern der Fernwärme in Großkrotzenburg gehört sicher nicht dazu.

Offene Willkommenskultur des JUZ erhalten

 Seit jeher ist die Unterstützung des Jugendzentrums (kurz JUZ) Teil der ‚politischen DNA‘ der Grünen in Großkrotzenburg. Immerhin ging die Wiederaufnahme der offenen Jugendarbeit in den Kellerräumen des Bürgerhauses 1988 auf einen Antrag der Grünen Großkrotzenburg aus dem Jahr 1985 zurück. 

Warum ist uns die Kinder- und Jugendarbeit so wichtig?

Wir sehen das JUZ als einen Schutzraum für Kinder und Jugendliche, in dem jeder  willkommen ist und in dem er so sein darf, wie er ist, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Ganz wichtig ist uns dabei, dass dieses Angebot niederschwellig ist, d.h. es sind keine großen Hürden wie z.B. Anmeldungen zu überwinden.

Wer sich sportlich betätigen möchte, kann bei schönem Wetter draußen Basketball spielen, manchmal ist das JUZ auch in der Sporthalle. Und die Popstars von morgen können ohne Lärmbelästigung für die anderen an ihrem Sound oder der Gesangstechnik feilen. Einfach nur abhängen, kickern, oder Billard spielen ist natürlich auch OK.

Die Kinder und Jugendlichen finden hier zudem eine Anlaufstelle für ihre großen und kleinen Sorgen und Nöte, seien es persönliche Probleme oder auch nur Hilfestellungen bei Herausforderungen des Alltags, wie z.B. dem Schreiben einer Bewerbung.

Dabei fungiert die Jugendpflegerin als ein Ansprechpartner, der zwar erwachsen ist, aber  unabhängig von der Schule mit ihrer Leistungserwartung und auch kein Verwandter oder Erziehungsberechtigter mit einer eigenen Zielsetzung für die Zukunft des Kindes bzw. Jugendlichen.

Apropos Alltagstauglichkeit: Zusammen Kochen stiftet Gemeinschaft zwischen den Kindern und Jugendlichen und fördert ganz nebenbei eine Kompetenz, die so vielleicht zu Hause nicht erworben werden kann.  Weswegen das gemeinsame Kochen im JUZ im wöchentlichen Turnus auf dem Programm steht.

Auch die soziale Komponente des JUZ ist nicht zu unterschätzen. Ausflüge wie die jährliche Fahrt zum Europapark auch für Kinder aus ärmeren Familien sind nur möglich durch die finanzielle Förderung des JUZ.

Und selbst wer sein Kind nicht in das JUZ schickt bzw. gehen lässt:

Wer nutzt in den Sommerferien nicht gerne die zwei Wochen Entlastung bei der Betreuung der Kinder, die das Angebot der vom JUZ organisierten Ferienspiele bietet?

Dabei ist das JUZ für uns unabhängig von der weiteren Zukunft des Bürgerhauses – es ist für uns auch in anderen Räumlichkeiten vorstellbar. Wichtig ist in diesem Zusammenhang insbesondere eine durchgehende Jugendarbeit, damit das etablierte Vertrauensverhältnis bestehen bleibt. Auch bei einer Sanierung des Bürgerhauses wäre eine Übergangslösung notwendig. 

Die Besetzung der zweiten Jugendpfleger-Stelle halten wir für geboten: einerseits, damit die Jugendlichen auch einen männlichen Ansprechpartner haben, aber auch, um das JUZ seltener urlaubs- oder krankheitsbedingt schließen zu müssen, und um die Verantwortung für die Organisation der Ferienspiele auf mehr Schultern zu legen.

Wir Grünen sehen im JUZ eine Bereicherung für unseren Ort, für dessen Erhalt und Förderung wir uns weiterhin einsetzen werden. 


Wenn es Nacht wird in Großkrotzenburg… 

Grüne Großkrotzenburg/js  Hanau Hauptbahnhof, 1.05 Uhr, Januar, leichter Schneefall, schneidender Wind, -3 Grad Celsius, gefühlt -10 Grad. Und man steht am Gleis und blickt fassungslos auf den Fahrplan, weil der letzte Zug nach Großkrotzenburg vor 7 Minuten abgefahren ist. Das ist der Moment, in dem wahrscheinlich jeder findet, dass der öffentliche Personennahverkehr nicht wirklich ein Luxusgut ist. Denn nun bleiben einem nur noch ein Taxi (wenn man eines findet) oder ein beherzter Fußmarsch, will man die Nacht nicht am Bahnhof verbringen. Um 5.27 Uhr fährt schon der erste Bus nach Großkrotzenburg. Na denn, gute Nacht!

Doch auch weit weniger dramatische Szenarien lassen die Lücken im ÖPNV in Großkrotzenburg deutlich werden. Jetzt haben wir dieses schöne MVZ, doch wie kommt man hin? Glücklich, wer hier nicht auf das dürftige Angebot des ÖPNV angewiesen ist, gut zu Fuß ist oder das Rad nutzen kann.   

Ähnliches gilt für den Bahnhof. Auch hier sind des Schusters Rappen die besten Freunde des Reisenden, wenn er sich nicht per Auto zur Bahn bringen lassen will, denn die nächste Bushaltestelle ist ein tüchtiges Stück Weges entfernt, für den man schon mal 10 Minuten einplanen sollte. Und wenn ich im Eichelacker wohne und zu den Verbrauchermärkten in der Marie-Curie-Straße will? Keine Chance mit den Öffentlichen. 

Großkrotzenburg ist ein Straßendorf, die Ortsenden im Westen und im Osten sind weit voneinander entfernt, und leider ist man zur Überwindung dieser Strecken größtenteils auf den eigenen Fuhrpark angewiesen.

Wir Grünen in Großkrotzenburg machen uns deswegen dafür stark, mit dem RMV Verhandlungen über die Bedingungen eines Beitritts von Großkrotzenburg zum Bereich von Carlos aufzunehmen. Carlos ist ein sogenannter On-Demand-Shuttleservice, auf Deutsch etwas, das früher den sperrigen Namen Anrufsammeltaxi trug. Wie funktioniert das? Im Ortsgebiet gibt es zahlreiche Haltepunkte, man ruft bei einer Nummer an und lässt sich vom nächstgelegenen Haltepunkt zu dem Haltepunkt fahren, der dem Ziel am nächsten liegt. Die Kosten sind etwas teurer als bei einem Busticket, aber wesentlich günstiger als bei Nutzung eines Taxis.

Sollte sich Carlos aus finanziellen Gründen als nicht realisierbar erweisen, sind wir dafür, die Idee eines Bürgerbusses näher zu betrachten. In diesem Modell fahren ehrenamtliche Helfer ein von der Gemeinde bereitgestelltes Fahrzeug in einem ähnlichen Modell wie bei Carlos.  

Weiterhin ist mit dem RMV die Frage nach weiteren Haltestellen der schon existierenden Buslinie 566 (etwa am Bahnhof) zu klären. Der Bau der neuen Haltestelle am MVZ muss nachgehalten werden. Und auch am Wochenende ist ein höherer Takt wünschenswert: Die Fahrgäste sind da. Die Verbindung der Buslinie 566 bis Kahl darf keinen Sparmaßnahmen zum Opfer fallen.

Neben diesen auf das Ortsgebiet bezogenen Lösungen machen sich die Grünen Großkrotzenburg aber auch für die eingangs erwähnte Anbindung an Frankfurt/Hanau und Aschaffenburg stark.  

Die Taktung der RB 58 darf nicht vergröbert werden, auch sollte hier über ein zweistündige Taktung in den Nachtstunden nachgedacht werden. Der RE 55 sollte nicht nur einmal am Morgen in Großkrotzenburg halten.  

Alle Forderungen haben ein gemeinsames Ziel: Mehr Menschen sollen Bus und Bahn nutzen. Das entlastet die Umwelt, spart Geld und bringt soziale Teilhabe. Gerade für Jugendliche, ältere Menschen oder Menschen ohne Auto ist das ein Gewinn.

Außerdem geht es um Verbindungen, die Sinn machen. Weniger Umsteigen, bessere Taktung, direktere Strecken. So wird der ÖPNV attraktiver. Genau dafür stehen die Grünen: Nachhaltige, soziale und bürgernahe Mobilität.

Politiker fragen, Bürger antworten

Endlich, kurz vor Ablauf der Wahlperiode, wird eine der zentralen Forderungen der INITIATIVE umgesetzt: Die Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung bei wesentlichen Entscheidungen in unserer Gemeinde. Und um eine wesentliche Entscheidung geht es ja bei der Frage, wie es mit dem Bürgerhaus weitergehen soll. Krotzebojer Grüne, CDU und Initiative 2.0 stimmten in der Gemeindevertretersitzung am 23. Oktober dafür, diese Frage nun endlich einmal den Bürgern in Form einer Bürgerbefragung vorzulegen.

Dabei handelt es sich nicht um einen Bürgerentscheid mit bindender Wirkung, sondern lediglich um ein Stimmungsbild, das die Meinung der Bürger zu diesem Punkt aufzeigt. Dabei können die Bürger für eine der folgenden Optionen votieren:

a) für den Abschluss eines erbbaurechtlichen Vertrages im Rahmen einer Ausschreibung bzw. eines Bieterverfahrens ähnlich dem Strandbad
b) für eine Sanierung des Bürgerhauses und den zukünftigen Betrieb durch die Gemeinde Großkrotzenburg
c) für einen Neubau des Bürgerhauses in verkleinerter Form
d) für einen ersatzlosen Abriss des Bürgerhauses und eine städtebauliche Neuplanung des Areals

Da die von SPD, FDP und INITIATIVE favorisierte Erbbaulösung mit dem aktuellen Pächter damit erst einmal vom Tisch ist (siehe dazu auch ‚Die Birne flackert‘), wurden die möglichen Auswirkungen eines solchen Entscheids von den Vertretern der genannten Fraktionen in den düstersten Farben ausgemalt.

Es werde eine neue Bauruine gegenüber dem Posthotel entstehen, da das Bürgerhaus ab dem 1. Januar geschlossen bleibe, unübersehbare Kosten kämen auf die Gemeinde zu und wenn für teuer Geld von der Gemeinde saniert würde, bliebe das Bürgerhaus auf Jahre geschlossen. Zudem bemerkte der Vertreter der SPD in einem Nebensatz, dass man so etwas nicht von einer Mehrheit entscheiden lassen solle, eine bemerkenswerte Äußerung für einen gewählten Volksvertreter, die nur von einem Vertreter der FDP übertroffen wurde, der den Bürgern die Kompetenz für eine solche Entscheidung rundheraus absprach, schließlich seien das ja alles keine Bausachverständigen. Man ist versucht hinzuzufügen, dass die
meisten Bürger wohl auch keinen engen persönlichen Kontakt zum Pächter haben, der ihre
Entscheidung in irgendeine, diesen Herren genehme, Richtung beeinflussen könnte.

Da aber der Pachtvertrag durch einen Zusatzantrag um ein Jahr verlängert wurde, wurde
diesen Einwendungen die Spitze genommen und der Betrieb des Bürgerhauses für das Jahr
2026 sichergestellt.

Lucas Bäuml rückte in seiner Rede dann auch einiges gerade, das von den Vorrednern schief dargestellt worden war. So wies er darauf hin, dass es im Ort durchaus mehr als nur eine Wahrnehmung des Bürgerhauses gäbe und nicht alle Bürger sähen es als ein Schmuckstück für die Gemeinde an.
Auch ein künftiger Pächter habe eine Sanierung durchzuführen, und sollte er dabei das Gebäude weiter nutzen können, wieso sollte das die Gemeinde dann nicht auch können? Zudem sei das mit der Einhaltung des Erbbauvertrags, so eine Sache. Wie setzt man das durch, wenn der Pächter ihn plötzlich anders interpretiert als die Gemeinde?
Seit Jahren habe sich die Gemeindevertretung in der Frage Bürgerhaus zu keiner Entscheidung durchringen können. Sei es jetzt nicht an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren, wenn es auf dem alten Weg einfach nicht weitergehe?

An dieser Stelle möchten wir auch noch auf den Einwurf der FDP eingehen, dass die Befragung vielleicht gar kein eindeutiges Ergebnis liefern könnte. Auch das ist möglich, aber dann wissen die Gemeindevertreter eben auch, dass sie nicht gegen einen deutlich erklärten Wählerwillen entscheiden, wenn sie z.B. für eine Sanierung oder für einen Abriss stimmen. Denn aus unserer Sicht wäre es wieder Wasser auf die Mühlen der Politikverdrossenen, nun so kurz vor einer neuen Wahl eine endgültige Entscheidung zu treffen, die von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird. Im Wahlkampf können die Parteien ja deutlich machen, welche Option sie mit welchen Argumenten befürworten.

Und ach ja, die INITATIVE hat natürlich gegen diesen Antrag zur Bürgerbefragung gestimmt,
das mit der Bürgerbeteiligung im Programm war sicher ganz anders gemeint.