Bezahlbar wohnen – damit unser Dorf eine Zukunft hat

Wer in unserem Dorf aufwächst, soll hier auch bleiben können. Doch immer häufiger scheitert genau das. Junge Menschen ziehen nach der Schule weg – zum Studieren, für eine Ausbildung oder den ersten Job – und kommen nicht mehr zurück. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie sich die Mieten einfach nicht leisten können.

In Großkrotzenburg, einer Gemeinde mit rund 8.000 Einwohnern, ist der Wohnungsmarkt begrenzt – und genau das ist das Problem. Besonders kleine Wohnungen für Studierende, Auszubildende und junge Erwachsene fehlen fast vollständig. Familien mit niedrigem oder mittlerem Einkommen konkurrieren um die wenigen verfügbaren Angebote. Wer kein hohes Gehalt oder ein Erbe vorweisen kann, hat oft das Nachsehen – oder zieht weg.

Dabei ist eines klar: Bezahlbarer Wohnraum ist keine Almosenleistung, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Gemeinde. Wenn junge Menschen hier keine bezahlbare Wohnung finden, fehlen sie später als Fachkräfte, als Engagierte im Ehrenamt oder als Eltern der nächsten Generation. Ein Dorf ohne junge Erwachsene ist wie ein Fußballverein ohne Nachwuchs – irgendwann spielt man nur noch Freundschaftsspiele.

Deshalb machen wir uns stark dafür, dass unsere Gemeinde konkrete Schritte unternimmt, um zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Konkret heißt das: Es braucht mehr kleine, energieeffiziente Wohnungen für Studierende und Auszubildende, bezahlbare 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen für junge Erwachsene und einkommensschwächere Familien sowie flexible Grundrisse, die sich an die verschiedenen Lebensphasen anpassen lassen. Nicht jeder Wohnraum muss luxuriös sein, aber er sollte würdevoll, bezahlbar und nachhaltig gestaltet werden.

Wie kann das angesichts klammer öffentlicher Kassen in Großkrotzenburg erreicht werden? 

Zum einen kann die Gemeinde bei der Festlegung des Bebauungsplans für ein neues Neubaugebiet festgelegen, dass Mehrfamilienhäusern der Vorrang vor Einfamilienhäusern gegeben wird. Auch eine Quote für Sozialen Wohnungsbau kann für das Neubaugebiet vorgegeben werden.  

Gleichzeitig kann die Gemeinde freiwerdende Flächen im Ort gezielt an Investoren vergeben, die dort sozialen Wohnungsbau errichten.  

Und perspektivisch halten wir auch eigenen Wohnungsbau unserer Gemeinde für machbar. 

Oft wird gesagt, dass sozialer Wohnungsbau für kleine Gemeinden zu teuer ist. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Der Bau einer geförderten Wohnung kostet derzeit, je nach Standard, etwa 2.800 bis 3.500 Euro pro Quadratmeter. Eine 60-Quadratmeter-Wohnung kommt also auf rund 180.000 bis 210.000 Euro. Dank Landes- und Bundesförderprogrammen können bis zu 40–60 Prozent dieser Kosten abgedeckt werden. Für die Kommune bedeutet das langfristig stabile Werte und dauerhaft bezahlbare Mieten von etwa 8 Euro pro Quadratmeter. Das ist auf lange Sicht günstiger, als qualifizierte junge Menschen zu verlieren, gleichzeitig sind langfristig die Mieteinnahmen ein Plus für die Gemeindekasse und finanzieren die Kreditzinsen.

Es geht um diejenigen, die hier lernen, arbeiten und Familien gründen möchten. Unser kommunaler Fokus muss dort liegen, wo der Wohnungsmarkt für die Bevölkerung versagt. Das ist kein Entweder-Oder, sondern eine Frage der Prioritäten.

Sozialer Wohnraum lässt sich zudem ökologisch sinnvoll gestalten: Holzbauweise, Photovoltaik, niedrige Nebenkosten durch gute Dämmung. Wer heute baut, plant für Jahrzehnten – und sollte sowohl die Klimaziele als auch die Stromrechnung der Mieter nicht aus den Augen verlieren. Bezahlbar wohnen bedeutet eben auch: bezahlbar leben.

Unser Ziel ist klar: Ein Dorf, in dem man ausziehen kann, ohne wegziehen zu müssen. Ein Ort, an dem junge Menschen bleiben, zurückkehren und sich eine Zukunft aufbauen können. Dafür braucht es politischen Willen, mutige Entscheidungen und die Erkenntnis, dass der Markt es nicht alleine regelt.

Kurz gesagt: Wenn wir wollen, dass unser Dorf lebendig bleibt, müssen wir mehr tun als nur Sonntagsreden halten – wir müssen Wohnungen bauen, die sich auch unter der Woche noch finanzieren lassen.

Bildnachweis: Google Streetview, Projekt „Alte Feuerwache“ Darmstadt-Arheilgen

Mehr Grün für unsere Gemeinde – eine Investition, die sich auszahlt

Wenn der Sommer kommt, wird es in unserer Gemeinde spürbar wärmer. Asphalt heizt sich auf, Plätze werden gemieden, und selbst der Spaziergang zum Bäcker fühlt sich manchmal an wie ein Kurzurlaub in der Saunalandschaft. Stadtbegrünung ist daher längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern eine zentrale Zukunftsfrage – auch für Großkrotzenburg.

Wir setzen genau hier an: Grünflächen erhalten, neue schaffen und Natur wieder stärker in den Alltag holen. Das Ziel ist klar – lebenswerte Orte für Menschen, Tiere und Pflanzen, heute und morgen.

Warum mehr Grün dringend nötig ist

Grünflächen sind wahre Multitalente:

  • Klimaschutz und Abkühlung: Bäume und Grünanlagen senken nachweislich die Umgebungstemperatur um mehrere Grad. An heißen Tagen kann ein schattiger Platz bis zu 10 °C kühler gegenüber einer versiegelten Fläche sein.
  • Schutz vor Starkregen: Entsiegelte Flächen lassen Wasser versickern, entlasten die Kanalisation und reduzieren Überschwemmungsrisiken.
  • Lebensraum für Insekten und Vögel: Blühwiesen, Hecken und naturnahe Grünflächen sind essentiell für Bienen, Schmetterlinge und viele andere Arten.
  • Freizeit und Gesundheit: Parks, schattige Wege und grüne Spielplätze steigern die Lebensqualität – Bewegung im Grünen ist nachweislich gut für Körper und Seele.

Oder anders gesagt: Grünflächen sind günstiger als Klimaanlagen, leiser als Ventilatoren und brauchen keinen Stromanschluss.

Die Probleme – ehrlich benannt

Auch in unserer Gemeinde sehen wir Herausforderungen:

  • Viele Straßenbäume sind in den Hitzesommern erkrankt oder abgestorben und wurden nur teilweise ersetzt. In der Bahnhofstraße und der Gutenbergallee wurden neue Bäume gepflanzt, im Neubaugebiet und entlang anderer Straßen entstehen aber immer neue Lücken.
  • Pflegeintensive Rasenflächen, die wenig Nutzen für die Artenvielfalt haben, wie z.B. im “Park” vor der Schule.
  • Mangelnde Pflege, wenn z.B. Brombeerranken Radwege überwuchern, oder die Bepflanzung der Grünanlagen verwildert.
  • Knappes Budget und der Eindruck, Grün sei “ganz nett, aber teuer“

Doch genau hier setzen Grüne kommunalpolitische Konzepte an: langfristig denken, Folgekosten vermeiden und Fördermittel nutzen.

Konkrete Lösungen für unsere Gemeinde

  1. Bäume pflanzen – systematisch und nachhaltig: Straßenbäume, kleine Baumgruppen auf Freiflächen oder Schattenspender an Bushaltestellen wirken sofort.
    • Kosten: ca. 500–1.500 € pro Baum (inkl. Pflanzung und Anwuchsphase)
    • Nutzen: Kühlung, CO₂-Bindung, Aufenthaltsqualität
  2. Blühwiesen statt Zierrasen: Extensiv gepflegte Wiesen sind günstiger als oft gemähter Rasen und ein Paradies für Insekten.
    • Umstellungskosten: ca. 1–3 € pro m²
    • Langfristig geringere Pflegekosten
  3. Pflege priorisieren: Die Pflege der Grünanlagen gehört zu den Aufgaben des Bauhofs. Wir fordern die Verwaltung auf, diesem Punkt ausreichend Priorität zu geben. Gerade, wenn mit der inzwischen notwendigen Bewässerung von Bäumen noch zusätzliche Aufgaben hinzukommen. Gepflegte Grünanlagen sind die Visitenkarte unseres Ortes und tragen zu einem besseren subjektiven Eindruck über den Zustand unseres Ortes bei.
  4. Bürger*innen einbinden: Patenschaften für Beete, gemeinschaftliche Pflanzaktionen oder “Essbare Gemeinden“ stärken den Zusammenhalt. In den letzten Jahren war der Osterbrunnen der Landfrauen vor dem Theodor-Pörtner-Haus ein schönes Beispiel hierfür. Die Gemeinde sollte dies unterstützen und fördern. Wieso nicht auch den alten Brunnen am Park gemeinschaftlich gestalten?

Finanzierung: machbar und sinnvoll

Viele Maßnahmen werden durch Landes- und Bundesprogramme gefördert, etwa im Bereich Klimaanpassung oder Naturschutz. Zudem gilt: Jeder heute gepflanzte Baum spart morgen Geld – bei Gesundheit, Infrastruktur und Klimafolgen.

Fazit

Stadtbegrünung ist keine Ideologie, sondern eine pragmatische Antwort auf Hitze, Artensterben und schafft Flächen zum Wohlfühlen. Die Vorschläge von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zeigen: Mit klaren Zielen, realistischen Maßnahmen und Bürgerbeteiligung kann auch eine Gemeinde wie Großkrotzenburg viel erreichen.
Und ganz ehrlich: Ein schattiger Platz mit Bäumen ist doch allemal besser als ein weiterer Parkplatz, der im Sommer so heiß wird, dass man darauf Spiegeleier braten könnte – ganz ohne Herd. 🌳

Mehr Grün. Mehr Lebensqualität. Für unsere Gemeinde.



Quellen:

  • Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL): Regelwerke, -Fachtagungen und Zertifizierungen für Qualität in der Grünen Branche.
  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Freiraum und Stadtgrün; Risikovorsorge
  • KFW: Öffentliche Einrichtungen
  • Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN): Anpassung an den Klimawandel
  • Bfn: Stadtnatur
  • Umweltbundesamt: Regenwasserbewirtschaftung
  • DWD: Leistungen im Stadtklima